Hinweise für Architekten und Auftraggeber zur Ausschreibung

Nach unseren Erfahrungen ist es vielfach gängige Praxis, dass Auschreibungen nicht den geltenden Vorschriften entsprechend erfolgen.
Insbesondere werden in der Realität nicht vorkommende bzw nicht mögliche Mauerwerks- dicken ausgeschrieben.
Dieses führt bereits in der Angebotsphase spätestens jedoch mit der Abrechnung zu teilweise erheblichen Problemen.

Die abweichenden Wandstärken ergeben sich dabei aus der Messung inclusive von Putzdicken oder auf Grund von im Mauerwerk vorhandenen Mauerwerksschalen.
Putzschichten fallen während der Sanierung oft teilweise von allein ab bzw werden abgeschlagen sodaß die Abrechnungsgröße danach nicht mehr eindeutig ist.

    Eindeutig sind nur die Verbandsmaße
    des vorliegenden Mauerwerkes !

Für im Alten Reichsformat errichtete Gebäude ergeben sich aus den Ziegelmaßen
von 25 x 12 x 6,3 cm   nur folgende mögliche Wandstärken :

Vollmauerwerk      120, 250, 380, 510, 640, 770, 900, 1.030, 1.160, 1.290 mm usw

Schalenmauerwerk     ca    310, 420, 550, 700  mm

Im Rahmen der Altbausanierung wird in der Regel Ziegelmauerwerk im Alten Reichsformat 
vorgefunden (Seit 1871 bis ca 1917 in Deutschland gesetzliches Ziegelmaß).
Entsprechend den Vorschriften der VOB(A) sowie VOB(C) ATV Abdichtungsarbeiten sowie den zugrundezulegenden Abdichtungsnormungen ist die Ausschreibung nach eindeutigen Mauerwerksdicken vorgeschrieben. (siehe Anhang unten)

Es ist daher unzulässig , Wanddicken nach willkürlich gewählten Wandstärken bzw Kategorien auszuschreiben.

z.B Wandstärken 0-400,   410-600,  610-1000

Derartige Angaben entsprechen nicht  den Ausschreibungsvorschriften gemäß VOB(A+C) , gestatten dem Baubetrieb keine ordentliche Kalkulation und können nicht ordentlich abgerechnet werden.
Der Bieter könnte auf solche Angaben die Aufhebung der Ausschreibung bewirken !


Es ist auch darauf aufmerksam zu machen, daß unter Umständen daraus auch Auftraggeber finanziell Schaden erleidet.

Zur Gewährleistung einer ordentlichen Abrechnung unter Beachtung der Abrechnungs- bedingungen nach VOB ist ein nach vorhandenen Wandstärken differenziertes Aufmaß zugrunde zu legen.

Beispiel Leistungstext:

    Horizontalsperre im Mauersägeverfahren
    in Ziegelmauerwerk
    - mit fahrbarer Mauerschneidmaschine
      abschnittsweise durchtrennen des
      Mauerwerkes in jeweils statisch zulässigen
      Längen,
    - Einbau Kunststoffplatten als Sperrschicht
      mit mind 10cm Überlappung zur vorherigen
      Bahn und erforderlichem Wandüberstand,
    - Einbau ABS-Ankerplatten zur statischen
      Sicherung des Mauerwerkes bis zur
      Verpressung,
    - Vermörteln der Schnittfuge unter Einbau
      von Verpressstutzen,
    - Maschinelle Verpressung der Schnittfuge
      mit schrumpffrei aushärtendem Injektions-
      mörtel, Verpreßstutzen mit Verschlußkappe
      schließen und wandbündig versenken,
    - Bauschuttberäumung
      Material z.B 1,2mm GFK-Platten
                
               Wandstärke   bis 250 mm              lfm
                                 bis 380 mm
                                 bis 510 mm
                                 bis 640 mm
                                     usw

Hinweise zu Schalenmauerwerk
Abweichende Wandstärken ergeben sich in der Regel bei vorliegendem Schalenmauer- werk, hier entsteht bei der Ausführung ein Mehraufwand auf Grund von Bauschutt in
den Hohlräumen sowie höheren Anforderungen beim Einbau der Ankerplatten sowie
bei der Verpressung.

Dieser Mehraufwand entspricht kalkulatorisch den Kosten der jeweiligen nächsthöheren Wandstärke für Vollmauerwerk, sodaß eine gesonderte Ausschreibungsposition damit zumeist nicht erforderlich wird.
Es ist jedoch zu beachten, daß mehrschaliges Mauerwerk im Regelfall von beiden Seiten der Wand zugänglich sein muß und daraus ein Mehraufwand vorbereitender Arbeiten entstehen kann.
Ist Schalenmauerwerk nicht beidseitig zugänglich sind gesonderte Anforderungen bei der Ausschreibung und bei der Ausführung zu berücksichtigen.

 

Hinweise für Architekten auf gesetzliche Grundlagen

Nach VOB(A) § 9 ist an eine Ausschreibung folgende Anforderung zu stellen:

§ 9.1.
Die Leistung ist eindeutig und erschöpfend so zu beschreiben, daß alle Bewerber die Beschreibung im gleichen Sinne verstehen müssen und ihre Preise sicher und ohne umfangreiche Vorarbeiten berechnen können.
§ 9.9.
Im Leistungsverzeichnis ist die Leistung derart aufzugliedern, daß unter einer Ordnungs- zahl (Position) nur solche Leistungen aufgenommen werden, die nach ihrer technischen Beschaffenheit und für die Preisbildung als in sich gleichartig anzusehen sind.
Ungleichartige Leistungen sollen unter einer Ordnungszahl nur zusammengefaßt werden , wenn eine Teilleistung gegenüber einer anderen für die Bildung eines Durchschnittspreises ohne nennenswerten Einfluß ist.

Nach VOB(C) ATV Abdichtungsarbeiten ist festgelegt:

Pkt 0.5.0 Abrechnungseinheiten
     0.5.2 Abrechnung nach Längenmaß (m)
     waagerechte Abdichtungen in Wänden gegen Bodenfeuchtigkeit
     --> Abrechnungseinheit getrennt nach Arten und Wanddicken
     5.0.  Abrechnung
     5.1.  Der Ermittlung der Leistung sind zugrunde zu legen:
     --> Bei Abdichtungen .... die Fläche bis zu den begrenzenden ungeputzten bzw
           unbekleideten Bauteilen --> Rohmauerwerk Verbandsmaße

Im Übrigen gilt für die Ausführung von Mauersägeverfahren das WTA Merkblatt 4-7-02 “Mechanische Horizontalsperren”.
Für weitergehende spezielle Fragen zum Verfahren sind wir gerne ansprechbar.